20.03.2018
Die Börse hat Fieber – gibt es einen „Grippe-Schutz“?

Udo Rieder

Nach jahrelangen Aufwärtstrends an den weltweiten Aktienmärkten mussten sich Anleger zuletzt wieder daran gewöhnen, dass Börsen eben doch keine Einbahnstraßen sind. Half das „Medikament“ niedriger Zins auf dem ganzen Globus, die Nervosität, die es angesichts zahlreicher politischer Krisen durchaus hätte geben können, weitestgehend im Zaum zu halten, so kehrte die Verunsicherung zuletzt merklich zurück. Die „Fieberkurve“ Volatilität stieg an und signalisierte, dass es nun endgültig vorbei sein könnte mit einem allzu sorglosen Aktionärsleben.

Was ist passiert? Wie so häufig waren es nicht schlechte, sondern gute Nachrichten, die dazu geführt haben, dass die Kurse auf Talfahrt gingen und die Volatilität sich zu alten Höhen aufschwang. So signalisierten kürzlich US-Arbeitsmarktdaten und die Entwicklung der US-Löhne, dass es der amerikanischen Wirtschaft tatsächlich sehr gut geht.

In so einem Umfeld schüttet Meister Donald mit seiner Steuerreform auch noch reichlich Öl ins lodernde Feuer der brummenden Konjunktur. Ich habe einmal gelernt, dass man in guten Zeiten eher auf die Bremse treten sollte, um für schlechte Zeiten vorzusorgen, aber das scheint der amerikanische Präsident seit seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften wohl vergessen zu haben. Na ja, ist ja auch schon ein Weilchen her. Das US-Infrastrukturprojekt, das ohne Zweifel langfristig sinnvoll ist, um der amerikanischen Wirtschaft bessere Rahmenbedingungen für die zunehmend komplexere Welt zu schaffen, tut sein Übriges, die Flammen hochschlagen zu lassen.

Und wie reagieren Notenbanken auf ein Szenario steigender Löhne, überhitzender Konjunktur und anziehender Inflationsraten? Hier zeigt sich zumindest die FED, auch unter Ihrem neuen Vorsitzenden Jerome Powell schulbuchmäßig: sie kündigt Zinserhöhungen an und bereitet die Märkte darauf vor, dass es auch ein wenig mehr sein könnte als allgemein erwartet.

Dieses „Gemisch“ hat nun dazu geführt, dass sich v.a. institutionelle Aktionäre lieber an die Seitenlinie gestellt haben, da (schnell und stark) steigende Zinsen dazu führen, dass Aktien an Attraktivität verlieren. Entsprechend sind die Kurse gefallen und die Nervosität (Volatilität) gestiegen. Als Privatanleger schaut man dann zumeist verwundert zu und stellt sich die Frage, ob es nicht Früherkennungs-Indikatoren gibt, die den nächsten Fieberschock der Börse ankündigen? Und tatsächlich gibt es einige dieser Seismographen: ob es die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe sind, die Einkaufsmanagerindices oder der ZEW-Konjunkturindikator, um nur Einige zu nennen. Bei allen stellt sich für „Otto Normalverbraucher“ das Problem der Datenbeschaffung und der richtigen Deutung derselben.

Was also tun, um die nächste Baisse zu umgehen? Auch wenn technisch orientierte Trader versuchen, den Anlegern einzureden, dass „buy and hold“ nicht mehr angesagt ist: wenn Sie sich auf qualitativ hochwertige Anlagen (Blue Chips) konzentrieren zahlt sich eine gewisse Gelassenheit aus. Ohnehin ist nicht zu verstehen, dass Aktien massiv verkauft werden, wenn Sie günstiger werden. Stellen Sie sich das mal im übertragenen Sinne auf Ihre Jeans vor, wenn der Baumwollpreis fällt? Dann wäre der Kleiderschrank manchmal ganz schön leer.

Bleiben Sie also gelassen. Langfristig gibt es ohnehin keine bessere Anlagemöglichkeit als Sachwerte, wozu Aktien bekanntlich zählen.
Artikel auf finanzen100.de

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