15.05.2018
Es gibt keine Sieger im Handelskrieg

Manfred Rath

Die Strategie, die US-Präsident Trump mit den angedrohten Zöllen im Handel mit den USA verfolgt, ist ziemlich einfach. Zunächst wird eine harte Drohung ausgesprochen, dann werden bilateral Zugeständnisse für einzelne Länder gemacht. Das soll die Verhandlungsposition der „Amerika-First“-Gegner schwächen, da diese nicht mehr gemeinsam vorgehen. Nicht zuletzt handelt Trump nach der Devise: Wer nicht hören will, muss fühlen. In Teilen scheint diese Strategie sogar aufzugehen. Die Zuversicht deutscher Exporteure ist deutlich gedämpft und die Stimmung der Unternehmen auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr.

Auf den ersten Blick hat der US-Präsident sogar recht. Gerade im Handel mit China fällt auf, dass beispielsweise chinesische Autohersteller beim Import in die USA nur mit 2,5 Prozent Einfuhrzoll belastet werden, während umgekehrt 25 Prozent fällig sind. Auch den deutlichen Abschwung in der amerikanischen Stahlindustrie könnte man als Beispiel heranziehen. Allerdings stellt sich die Frage, ob die billigen Stahlimporte aus China tatsächlich der Grund für die Misere sind oder ob vielmehr die abnehmende Nachfrage nach Stahl und die jahrzehntelange Automatisierung die Probleme verursacht haben.

Nachdem Trump im März die Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängte, ließ die Antwort aus China nicht lange auf sich warten. Nicht ganz zufällig haben sich die Chinesen Güter wie Soja für Zollerhöhungen ausgesucht. Das trifft besonders solche US-Bundesstaaten, die traditionell republikanisch wählen und Wahlen stehen ja dieses Jahr noch an.

Natürlich ist die Anhebung von Einfuhrzöllen ein Mittel, um rasch auf die Ungleichgewichte in den Waren- und Zahlungsströmen zu reagieren. Wenn die heimischen Unternehmen dann mehr produzieren, könnte das sogar zu mehr Wachstum im Land führen und das chronisch hohe Handelsbilanzdefizit der USA verringern. Kurzfristig ist es also eine erfolgreiche Strategie.

Anders sieht es in der längerfristigen Betrachtung aus. Deutschland hatte über Jahrzehnte mit der starken D-Mark im Export zu kämpfen. Doch die Firmen stellten sich darauf einmit der Folge, dass sie international immer stark vertreten waren. Letztlich werden Unternehmen, die durch Zölle geschützt sind, in ihren Anstrengungen nachlassen, die Produktivität zu steigern. Sie lassen dringend notwendige Reformen vermissen und werden träge. Andererseits werden sich Unternehmen, die gegen Zölle ankämpfen müssen, anders positionieren, um ihre Nachteile wettzumachen.

Bei den Verbrauchern führen die durch Zölle verteuerten Waren zu einer Verringerung der Kaufkraft. Gerade in einem Land wie den USA, die stark konsumgetrieben sind, ist das keine zu vernachlässigende Größe.

Eine überwiegende Mehrheit der Ökonomen sieht negative Auswirkungen der Zölle auf die US-Wirtschaft. Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommen zu dem Schluss, dass es in einem Handelskrieg keine Gewinner gibt. Das Heikle an der Sache ist obendrein, dass China der größte Gläubiger der USA ist und somit auf Augenhöhe reagieren kann.

An den Märkten bewegt der Handelskrieg zwischen den USA und China das Kursgeschehen. Zunächst scheinen die Börsen die Zölle eingepreist zu haben. Es bleibt aber die Befürchtung, dass eine Reihe von Wie-Du-mir-so-ich-Dir-Maßnahmen zwischen den beiden Ländern den Konflikt weiter eskalieren lassen. Ein breiter Handelskrieg könnte die Aktienkurse erneut um zehn Prozent einbrechen lassen, wobei diesmal US-Anleger den Großteil davon erleiden dürften.
Artikel auf dasinvestment.com

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