19.06.2018
Das Quintett, das die Wall Street bestimmt

Wolfgang Köbler

Wolfgang Köbler im Interview bei der ÄrzteZeitung
Fünf Technologieaktien beeinflussen maßgeblich das Auf und Ab der Börsen – doch Anleger können sich ihrem Einfluss entziehen.

"Der S&P 500 ist der weltweit wichtigste Börsenindex", sagt Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Münchner Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner. Steigt oder fällt das Kursbarometer der 500 größten amerikanischen Unternehmen, folgen tendenziell die Aktienkurse in Europa und Asien im Gleichschritt. In den vergangenen Jahren waren die Impulse von der Wall Street positiv für die Weltbörsen. Seit Juni 2015 hat der S&P 500 um 33 Prozent zugelegt und damit auch anderen Märkten Aufwind beschert.

Doch der starke Einfluss auf das globale Börsengeschehen hat eine Schattenseite. Längst nicht alle Aktien im US-Index sind zuletzt gestiegen. Im Gegenteil: "Der Zuwachs der vergangenen zwölf Monaten beruhte vor allem auf der Kursentwicklung von fünf Technologiekonzernen", sagt Lux. Die Google-Mutter Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft. "Sie haben seit Juni 2017 zusammen ihren Börsenwert um 1000 Milliarden US-Dollar auf 3500 Milliarden US-Dollar gesteigert", sagt der Anlageexperte. "Das entspricht mehr als dem doppelten Wert aller 30 Konzerne im deutschen Leitindex Dax." Durch ihre schiere Größe würde das Quintett inzwischen maßgeblich die Kursentwicklung des S&P 500 bestimmen – und damit zugleich die Richtung für das Geschehen an den übrigen Börsen der Welt vorgeben.

Extrem hoch bewertet
Diese Abhängigkeit habe weitreichende Konsequenzen, sagt Lux. "Verlieren Anleger das Vertrauen in Amazon und Co, droht nicht nur den fünf Technologieunternehmen der Absturz, sondern abgeschwächt dem gesamten Index und vielen anderen Börsen." Und die Gefahr ist groß, denn die Aktien des Quintetts sind extrem hoch bewertet.

"Alphabet, Amazon und Apple sind an der Börse jeweils zehnmal so viel wert wie die Dax-Schwergewichte Allianz, BASF und Daimler", sagt Hubert Thaler, Vorstand der Starnberger Anlagegesellschaft TOP Vermögen. Zwar konnten die Technologiekonzerne in den vergangenen Jahren ihre Umsätze kontinuierlich und deutlich stärker als die Dax-Unternehmen steigern. Die Frage ist allerdings, ob dies weiterhin gelingt.

Nadelöhr: iPhone
Insbesondere bei Apple, dessen Wohl und Wehe von einem einzigen Produkt abhängt: dem iPhone. "Die Frage ist, ob Apple ein ähnliches Schicksal erleiden kann wie Nokia", sagt Thaler. Der finnische Mobilfunkkonzern dominierte um die Jahrtausendwende den globalen Handymarkt. Doch weil Nokia den Trend zum Smartphone verschlafen hatte, verlor das Unternehmen seither massiv Marktanteile. Seit dem Jahr 2000 ist der Aktienkurs um mehr als 90 Prozent gesunken.

Schützen können sich Anleger vor den Folgen etwaiger Kurseinbrüche bei dem Technologiequintett, in dem sie nicht mit Indexfonds auf die großen Börsenindices wie S&P 500, Dax oder den europäischen Marktindex Eurostoxx 50 setzen. Indexfonds, im Branchenjargon kurz ETF genannt, sind zwar beliebt, weil sie passiv Indices Eins zu Eins nachbilden. Deshalb fallen nur geringe Verwaltungsgebühren und keine Ausgabeaufschläge an. Dafür drohen bei Börsenabschwüngen aber große Gefahren: "Will jeder verkaufen, aber niemand kaufen, kann der ETF-Kurs deutlich stärker fallen, als der Index selbst, den er abbildet", sagt Wolfgang Köbler, Vorstand der Nürnberger KSW Vermögensverwaltung.

Sicherheit bei täglichem Bedarf
Langfristige Sicherheit bieten hingegen Aktien von Unternehmen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre "Produkte auch in zehn Jahren noch gewinnträchtig anbieten", erläutert Uwe Zimmer, Geschäftsführer der Vermögensberatung Fundamental Capital in Willich.

Dazu dürften vor allem Unternehmen zählen, die Produkte des täglichen Bedarfs, etwa Nahrungs- und Waschmittel, sowie Elektrizität produzieren. Das sind Konsumgüterhersteller wie Danone, Henkel, Johnson & Johnson, Nestlé, Procter & Gamble und Unilever. Ihre Kurse schwanken weit weniger stark als die jeweiligen Indices – und sie schütten seit Jahrzehnten kontinuierlich Dividenden aus.
Artikel auf www.aerztezeitung.de

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